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Wie Planer und Betreiber von Batteriespeichern (BESS) die thermische Ausbreitung zwischen Zelle, Modul, Rack und Container begrenzen — Regelwerke, Werkstoffwahl, Einbau, Prüfung und Instandhaltung aus Sicht des Feuerfestbaus.
Ein Thermal Runaway beginnt in einer einzelnen Zelle: Durch einen inneren Kurzschluss, mechanische Beschädigung, Überladung oder einen Fertigungsfehler steigt die Zelltemperatur so weit, dass sich die Zersetzung des Elektrolyts selbst beschleunigt. Innerhalb von Sekunden entstehen mehrere hundert Grad Celsius, brennbare Gase (Wasserstoff, Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe) und ein Jet aus heißen Partikeln. Die Zelle selbst lässt sich in diesem Zustand nicht mehr löschen — die Reaktion läuft ab, bis die gespeicherte Energie verbraucht ist.
Gefährlich für die Anlage ist nicht die eine Zelle, sondern die Propagation: Die Wärme der ersten Zelle heizt die Nachbarzellen auf, bis auch dort die Schwelle überschritten wird. Ohne Abschottung läuft die Kette durch das Modul, das Rack und schließlich den Container. Jede Stufe, die die Weitergabe um Minuten verzögert, verschafft dem Batteriemanagement Zeit zum Abschalten, der Gasableitung Zeit zum Entlüften und der Feuerwehr Zeit zum Eintreffen.
Die Kernaufgabe feuerfester Werkstoffe
Nicht löschen, sondern trennen: Eine thermische Barriere zwischen den Ebenen hält die Temperatur auf der abgewandten Seite so lange unter der Zündschwelle der Nachbarzellen, dass die Ausbreitung stoppt oder beherrschbar langsam wird. Maßstab ist die Zeit bis zum Temperaturdurchgang — nicht die Klassifikationstemperatur des Werkstoffs allein.
Für stationäre Batteriespeicher gibt es in Deutschland kein einzelnes, abschließendes Gesetz — die Anforderungen setzen sich aus Produktnormen, Prüfverfahren, Versicherer-Richtlinien und dem Baurecht zusammen. Für die Werkstoffwahl im Container sind vor allem die Prüfverfahren entscheidend, mit denen die Propagationssicherheit nachgewiesen wird.
UL 9540A ist das international verbreitete Prüfverfahren, das die Ausbreitung eines Thermal Runaway stufenweise auf Zell-, Modul-, Einheiten- und Installationsebene untersucht. Viele Ausschreibungen und Versicherer verlangen heute einen UL-9540A-Bericht; die darin dokumentierten Temperaturen und Zeiten sind die Eingangsgrößen für die Auslegung der Abschottung. NFPA 855 regelt als Installationsstandard Abstände, Brandabschnitte und Lösch- und Entlüftungskonzepte. In Europa beschreibt IEC 62933-5-2 die Sicherheitsanforderungen für elektrochemische Speichersysteme im Netz. Die VdS-Richtlinie 3103 fasst die Erwartungen der deutschen Sachversicherer an Lithium-Ionen-Speicher zusammen.
Für die feuerfesten Werkstoffe selbst gelten die Klassifizierungen nach DIN EN 13501-1 (Brandverhalten, Klasse A1 für nichtbrennbare Produkte) und die Feuerwiderstandsprüfungen nach DIN EN 1363 und DIN EN 1364. Für Faserwerkstoffe kommt der Arbeitsschutz hinzu: Aluminiumsilikatwolle (ASW) unterliegt der TRGS 558, biolösliche AES-Wolle nicht — ein Punkt, der bei Batteriespeichern fast immer den Ausschlag gibt.
Praxishinweis
Fragen Sie beim Systemlieferanten nach dem UL-9540A-Bericht auf Modul- und Einheitenebene, bevor Sie über Werkstoffe sprechen. Die dort gemessenen Oberflächentemperaturen und die Dauer des Ereignisses bestimmen, welche Barrierewirkung Sie brauchen — alles andere ist Auslegung ins Blaue.
Eine wirksame Abschottung folgt dem Aufbau des Speichers von innen nach außen. Jede Ebene hat eine eigene Aufgabe, eine eigene Temperaturlast und damit einen eigenen passenden Werkstoff. Wer auf allen Ebenen dasselbe Material einbaut, zahlt entweder zu viel oder schützt an der kritischen Stelle zu wenig.
Dazu kommen die Durchführungen: Kabel, Kühlleitungen, Busbars und Lüftungsöffnungen durchdringen jede Ebene. Eine Trennwand ist nur so gut wie ihre schwächste Durchführung — hier werden Faserschnüre, Papierdichtungen und Brandschutzmanschetten zum Teil des Konzepts, nicht zum Zubehör.
Im Industrieofen entscheidet die Temperatur über den Werkstoff. Im Batteriespeicher kommen drei Anforderungen hinzu, die die Auswahl stärker prägen: der Bauraum, der Arbeitsschutz und die Stückliste des Kunden.
Biolösliche AES-Wolle (SOLUT BW Blanket, BW Board, BW Paper) ist nach Anmerkung Q der CLP-Verordnung von der Einstufung als krebserzeugend freigestellt und fällt nicht unter die TRGS 558. Für Speicherhersteller bedeutet das: keine Expositionskategorien beim Einbau, keine Kennzeichnungspflicht im Produkt, keine SVHC-Meldung nach REACH Art. 33. Mit einer Klassifikationstemperatur von 1200 °C deckt sie die im Thermal Runaway auftretenden Temperaturen an Wand und Decke ab. Ihre praktische Dauergrenze unter etwa 900 °C spielt hier keine Rolle — der Lastfall ist ein Ereignis von Minuten, kein Dauerbetrieb.
Mikroporöse Platten (SOLUT MP Board) bieten die niedrigste Wärmeleitfähigkeit aller Dämmstoffe — um 0,02 bis 0,03 W/mK bei 200 bis 400 °C — und damit die größte Barrierewirkung je Millimeter. Das ist der Werkstoff der Wahl zwischen Modulen, wo jeder Millimeter Bauraum Energiedichte kostet. Sie sind faserfrei, nicht brennbar (A1) und mit Aluminiumfolie, Glasgewebe oder PE-Folie kaschiert lieferbar, damit sie im Handling nicht stauben.
Calciumsilikatplatten (SOLUT CAL Board) kommen dort hin, wo die Barriere tragen muss: unter Racks, als Trennwand mit Befestigungen, als Unterlage für Komponenten. Druckfestigkeiten von 13 bis 27 N/mm² bei 1000 °C Klassifizierungstemperatur, faserfrei und mit Holzwerkzeugen zu bearbeiten.
Warum nicht ASW?
Aluminiumsilikatwolle hält zwar 1260 bis 1430 °C, ist aber als Karzinogen Kategorie 1B eingestuft. In einem Produkt, das Hersteller in viele Länder liefern und das Servicetechniker öffnen, zieht das Kennzeichnungs-, Informations- und Arbeitsschutzpflichten nach sich, die fast kein Speicherhersteller tragen will. Die Temperaturreserve von ASW wird im Speicher nicht gebraucht — die biolösliche Alternative reicht für den Lastfall aus.
Die folgende Übersicht stellt die vier wichtigsten Barrierewerkstoffe gegenüber — mit den Kennwerten, die im Speicher wirklich entscheiden: Wärmeleitfähigkeit im Ereignisfall, Bauraumbedarf, mechanische Belastbarkeit und regulatorischer Status.
| Werkstoff | Einsatzort | Stärke | Grenze | Regulatorisch |
|---|---|---|---|---|
| AES-Fasermatte / -platte (SOLUT BW) | Container-Innenauskleidung, Wandbekleidung | 1200 °C Klassifikation, flexibel, kennzeichnungsfrei | braucht Bauraum (25–50 mm), nicht lasttragend | nicht unter TRGS 558, Anmerkung Q |
| Keramikfaserpapier (SOLUT BW Paper) | Zell-Zwischenlagen 1–3 mm | dünn, flexibel, schneidbar | geringe mechanische Festigkeit | nicht unter TRGS 558 |
| Mikroporöse Platte (SOLUT MP Board) | Modul–Modul, engster Bauraum | höchste Dämmwirkung je mm (λ ≈ 0,02–0,03 W/mK) | druckempfindlich, Kaschierung nötig | faserfrei, Brandklasse A1 |
| Calciumsilikatplatte (SOLUT CAL Board) | tragende Trennwände, Unterlagen | 13–27 N/mm² Druckfestigkeit, verschraubbar | schwerer, dicker als mikroporös | faserfrei, Brandklasse A1 |
Faustregel
Wo Bauraum die knappste Größe ist: mikroporös. Wo getragen oder verschraubt wird: Calciumsilikat. Wo Flächen bekleidet werden: biolösliche Faser. Wo es dünn sein muss: Faserpapier. ASW nur, wenn dauerhaft über 900 °C gedämmt wird — im Speicher praktisch nie.
Die beste Werkstoffwahl nützt nichts, wenn die Barriere Lücken hat. Aus unseren Einbauten kennen wir vier wiederkehrende Schwachstellen: offene Stoßfugen zwischen Platten, nicht gedichtete Durchführungen, Befestigungen aus Stahl, die als Wärmebrücke durch die Dämmung führen, und Dämmlagen, die beim Zusammenbau gequetscht werden und dadurch ihre Dicke und Dämmwirkung verlieren.
Der Nachweis erfolgt zweistufig: Die Werkstoffkennwerte kommen aus den Datenblättern und den Brandklassifizierungen, die Barrierewirkung des Systems aus einer Propagationsprüfung auf Modul- oder Einheitenebene — sinnvollerweise nach UL 9540A, weil die Ergebnisse dann auch für Versicherer und Genehmigungsbehörden verwertbar sind. Wir liefern die Werkstoffdaten und begleiten die Prüfkörperherstellung, damit das geprüfte System dem entspricht, was später eingebaut wird.
Die meisten Verzögerungen in Speicherprojekten entstehen nicht beim Einbau, sondern davor — weil Grundlagen fehlen, wenn Angebote verglichen werden sollen. Diese zwölf Punkte gehören geklärt, bevor die erste Anfrage rausgeht:
Unser Angebot an Planer
Schicken Sie uns die UL-9540A-Daten und das Bauraumbudget — wir schlagen den Schichtaufbau je Ebene vor, liefern die Werkstoffkennwerte für den Sicherheitsnachweis und fertigen auf Wunsch Prüfkörper und Serienbausätze.
Eine thermische Barriere arbeitet im Normalbetrieb nicht — sie wartet. Genau deshalb wird sie bei Wartung und Umbau leicht beschädigt: Platten werden für den Zugang ausgebaut und unvollständig wieder eingesetzt, Dichtungen an Durchführungen gehen beim Kabeltausch verloren, Dämmlagen werden durch nachgerüstete Komponenten gequetscht. In die Instandhaltungsunterlagen gehört deshalb ein Abschottungsplan, der jede Barriere, jede Durchführung und jede Dichtung benennt.
Aus einer Hand
Wir liefern die Werkstoffe mit Datenblättern in sieben Sprachen, schneiden Platten und Matten nach Zeichnung zu, bauen mit eigenen Monteuren ein und übernehmen bei Umbau oder Stilllegung den Rückbau samt Entsorgungsnachweis. Für Hersteller, die Speicher in Serie fertigen, fertigen wir Abschottungsbausätze vor.
| Norm | Beschreibung | Relevanz |
|---|---|---|
| UL 9540A | Prüfverfahren zur Bewertung der Thermal-Runaway-Ausbreitung auf Zell-, Modul-, Einheiten- und Installationsebene | Liefert Temperaturen und Zeiten für die Auslegung der Barrieren; von Versicherern und Ausschreibungen zunehmend gefordert |
| NFPA 855 | Installationsstandard für stationäre Energiespeicher — Abstände, Brandabschnitte, Lösch- und Entlüftungskonzepte | Rahmen für die Anordnung von Trennwänden und Abständen zwischen Einheiten |
| IEC 62933-5-2 | Sicherheitsanforderungen an netzgekoppelte elektrochemische Energiespeichersysteme | Europäische Grundlage für Sicherheitsnachweise des Gesamtsystems |
| VdS 3103 | Richtlinie der deutschen Sachversicherer für Lithium-Ionen-Batterien und -Speicher | Erwartungen der Versicherer an Aufstellung, Abschottung und Brandschutz |
| DIN EN 13501-1 | Klassifizierung des Brandverhaltens von Bauprodukten (Klasse A1: nichtbrennbar) | Nachweis der Nichtbrennbarkeit der eingesetzten Dämm- und Trennwerkstoffe |
| DIN EN 1363-1 / EN 1364 | Feuerwiderstandsprüfungen allgemein und für nichttragende Bauteile | Nachweis des Feuerwiderstands von Trennwänden und Bekleidungen |
| TRGS 558 | Tätigkeiten mit Hochtemperaturwolle — Expositionskategorien und Schutzmaßnahmen | Gilt für ASW, nicht für biolösliche AES-Wolle; entscheidend für die Werkstoffwahl |
| CLP-Verordnung, Anmerkung Q | Freistellung biolöslicher Mineralwollen von der Einstufung als krebserzeugend | Grundlage für kennzeichnungsfreie Faserwerkstoffe im Speicher |
Anton Brem
Geschäftsführer
Feuerfestbau, Hochtemperaturdämmung und Brandschutz in Industrieanlagen
Alles Wichtige zum Thema Thermische Abschottung im Batteriespeicher: Feuerfeste Werkstoffe gegen Thermal Runaway
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